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Currentzis, das ist Seelennahrung

Currentzis als Chefdirigent des SWR - Orchesters. Er ist lieber Musikerkollege, als Chefdirigent. Und er bewegt.

Nachhaltig staune ich und bin tief berührt von dem  Beethovenzyklus (Salzburger Festspiele 2018) mit Currentzis und seinem Orchester Musica Aeterna.
Diese Lebendigkeit, diese Emotionalität mag von manchen vielleicht als Show gedeutet werden, ich spüre jedoch das Echte. Vielleicht sogar das Wahre, das Gute, das Schöne, nach dem ich mich in der Kunst immer wieder sehne.

Ich glaube Currentzis liebt man oder man lehnt ihn ab. Kompromisslos. Dieses Orchester zu erleben ist so anders als die übliche, oft distanzierte Konzertpraxis. Bei Currentzis Genauigkeit und Qualitätsanspruch kann man ihm sicher nicht mangelnde Professionalität nachsagen.
Und doch irritiert er mit seiner Ausdruckskraft, Energie und Emotionalität, die sich auf die Spielenden übertragen. Ebenso ist es mir eine Freude Ihnen beim Musizieren zuzusehen.
Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es auf jemanden, dem die Contenance sehr wichtig ist, der seine eigene Lebendigkeit fast verloren hat, irritierend wirkt.
Auch wie die Musiker miteinander umgehen ist wohltuend zu beobachten. Meine Überzeugung ist es, dass wir uns alle im Herzen nach dem sehnen, was wir mit Currentzis und seinem Orchester erleben.
Es muss wohl schmerzen zu erkennen, wie weit man sich selber davon entfernt hat. Man kann diese Lebendigkeit ablehnen oder sie als Chance sehen, sich ihr auch wieder zu nähern.

Und jetzt geschieht Ähnliches im SWR. Currentzis ist ansteckend, er begeistert, er bewegt. Er ist im Stande Klassik wieder zu verjüngen, sie aus dem verstaubten elitären Eck zu befreien. Er rüttelt auf und berührt.
Das ist Seelennahrung. Für jeden einzelnen und das kollektive Bewusstsein.

 

Ein kurzes Porträt: https://www.youtube.com/watch?v=ofLALonhM_E